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Die Bergkirche


„Bergkirche“ 11. Jahrhundert

Ein Bau aus der Zeit der Romanik
Die Lage
Die Bergkirche liegt auf einer kleinen Anhöhe vor dem Friedhof am östlichen Rand des Dorfes. Vom Hauptplatz für der Weg, an der neuen Pfarrkirche vorbei, durch die Kirchengasse nach der Abzweigung des Güterweges durch das Friedhofstor bergan zur Bergkirche. An sich zeigt sie sich als ein einfaches, eher unscheinbares Bauwerk, das früher von zahlreichen mächtigen Akazienbäumen zum Großteil verdeckt war.


Ein Bau aus der Zeit der Romanik
Als der damals noch sehr junge Seelsorger der katholischen Pfarrgemeinde Stoob, der jetzige Prälat Dr. Hans Trinko, die Renovierung – auf sich allein gestellt – mit viel Optimismus und Ausdauer letztlich erfolgreich betrieb, erkannte man bald nach den ersten Abschnitten auf Grund der Bausubstanz, aber auch an einzelnen Baudetails, dass die Kirche mit Sicherheit aus der Zeit der Romanik stammt. Schließlich wurden in der Apsis und in der Laibung eines Fensters, das bisher vermauert war, Fresken bzw. Freskenreste, die in den Jahren 1220 und 1230 entstanden sind, entdeckt und freigelegt. So wurde nicht nur ein stimmungsvolles, zu Besinnung und Gebet einladendes Gotteshaus, sondern auch eines der ältesten Kulturdenkmäler unseres Heimatlandes Burgenland gerettet. Man wusste zwar, dass es eine Pfarre Stoob noch jahrhundertelang gegeben hat, denn ein gotischer Kelch im Besitz der Pfarre zeigte am Fuße die Jahreszahl 1522 eingraviert und diene Glocke, die nach dem 2. Weltkrieg erneuert werden musste, war im Jahre 1535 in Güns gegossen worden. Auch der Kirchenpatron, der hl. Johannes der Täufer, weist auf ein hohes Alter der Kirche hin. Kirchen mit diesem Patron waren die Taufkirchen und als Mittelpunkt geistlichen Lebens in der Zeit der Missionierung bzw. Besiedelung durch Christen frühe Bauten eines Dorfes. Das Gotteshaus ist eine Saalkirche, wie sie für die Zeit der Entstehung typisch ist, mit einer so genannten gestelzten, halbrunden Apsis, die interessanterweise mit dem rechteckigen Langhaus nicht verbunden ist.

 

Die Fresken Von besonderem kulturhistorischem Wert sind die freigelegten Fresken, die mit Ausnahme der Darstellung in der Laibung des Ostfensters – besonders in der Wölbung der Apsis – stark beschädigt sind. Allgemein wird angenommen, dass in späterer Zeit beim Aufstellen eines Altares Mauerwerk abgeschlagen werden musste. Die Fresken wurden so, wie sie freigelegt wurden, belassen. Auf eine auch nur teilweise Ergänzung wurde bewusst verzichtet, obwohl, gestützt auf erhaltene Vorbilder, eine werkgetreue Nachbildung denkbar wäre. Die vorhandenen Reste lassen klar erkennen, dass Christus, der Weltenherrscher, in einer Mandorla dargestellt und von den Symbolen der vier Evangelisten umgeben ist. Das Zeichen des Evangelisten Johannes, der Adler, ist nämlich teilweise erhalten geblieben. Rund um die Apsis, etwa in Augenhöhe, ist ein Band mit der Darstellung von Heiligen zu erkennen. Allgemein wird angenommen, dass der Künstler ein Apostelkonzil abgebildet hat. In der Laibung des freigelegten Ostfensters hinter dem Altar wird Johannes der Täufer dargestellt, der mit einem überlangen Finger auf Christus, das Opferlamm, hinweist. Der lange Finger soll Aufmerksamkeit erregen, die Geste und die besondere Bedeutung des Ereignisses betonen.

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Die Entstehung der Kirche Archäologische Funde weisen auf eine frühe Besiedlung des Gebietes des heutigen Burgenlandes hin. So zeugen etwa 100 von Archäologen festgestellte Schmelzplätze, mehrere Brennöfen und über 30 Schmelzöfen spezieller norischer Eigenart von einem intensiv betriebenen Eisenhüttenwesen. Trotzdem meinen namhafte Historiker, dass man den Beginn der Geschichte im eigentlichen Sinn für diesen Raum erst mit dem Zeitraum festlegen kann, in dem das Römische Imperium sich bis zur Donau ausdehnte und 15 v. Chr. die Provinz Noricum 11 v. Chr. die Provinz Pannonien geschaffen wurden. Vorher war das Gebiet Grenzland, sehr wahrscheinlich sogar Niemandsland zwischen dem keltischen Königreich Norikum und den ungestümen, wilden ungeeinten Stämmen im pannonischen Osten. Historisches Umfeld: Im Römischen Imperium war das norische Eisen, das in unserer Gegend erzeugt wurde, nicht nur ein wertvolles Ausgangsprodukt für Geräte und Waffen, sondern auch eine begehrte Handelsware. Durch das mittlere Burgenland führte eine wichtige Verkehrsader – die Bernsteinstraße – von Steinamanger kommend über Frankenau, Ödenburg, St. Margarethen und Bruckneudorf zur Donau. Sie war nicht nur militärisch von großer Bedeutung, sondern auch ein wichtiger Handelsweg von Süd nach Nord. So kann mit Recht angenommen werden, dass unsere Gegend damals entsprechend dicht besiedelt war. Durch die Einfälle germanischer Stämme in das Römerreich und ganz besonders zur Zeit der Völkerwanderung wurde die Bevölkerung wieder stark dezimiert. Mit der Missionierung, die von den Klöstern Altaich und Kremsmünster, aber auch von den Bistümern Regensburg, Passau, Reichstatt und Salzburg ausging, zogen auch Siedler aus Bayern und Franken in unser Land. Der Einbruch der Magyaren in die Ungarische Tiefebene berührte zunächst unser Gebiet nicht, da dieses Reitervolk aus dem Osten ein Bündnis mit Arnulf, dem Kaiser des ostfränkischen Reiches, schloss, um sich Sicherheit vor den Angriffen aus dem Großmärischen Reich zu verschaffen. Bald aber erfolgten Raubzüge der Magyaren bis tief in den Westen hinein. In zahlreichen Schlachten und Gefechten waren sie siegreich, wurden aber am 10. August 955 am Lechfeld vernichtend geschlagen. Unter dem Fürsten Geisa vereinigten sich dann die Stämme und wurden sesshaft. Fürst Geisa empfing mit seinem Sohn Waik, dem nachmaligen hl. Stefan, die Taufe. Als Stefan die bayrische Herzogstochter Gisela, die Schwester des späteren deutschen Königs Heinrich II., heiratete, zogen mit ihr viele Ritter und in deren Gefolge Handwerker, Kaufleute, Bauern und auch Spielleute ins ungarische Land. Allmählich wurde auch der Streifen zwischen der seit der Jahrtausendwende anerkannten Grenze, die von der Leitha, dem Rosaliengebirge und der Lafnitz gebildet wurde und den Befestigungsanlagen der Magyaren, die auf der Höhe der bis zum Ende des 2. Weltkrieges gegebenen Sprachgrenze verlief, besiedelt. Einige ungarische Grenzwächtersiedlungen sollten den Herrschaftsanspruch des Königs sichern. Die Grenzwächter waren eine kleine Gruppe freier magyarischer Bauern, die man später zum ungarischen Kleinadel zählte, soweit sie nicht von den späteren Grundherren aufgesaugt wurden. Zum Teil wurden Siedlungen auch mit Petschenegen besetzt, die aber nur in einem geringen Ausmaß die Landwirtschaft betrieben. Wesentlich mehr trugen zur Kultivierung die Klöster, insbesondere die Zisterzienser bei. Im Norden schenkte König Emmerich den Mönchen Land um den heutigen Könighof bei Bruckneudorf sowie Grund und Boden um Mönchhof, Weiden und Podersdorf. Die Mönche rodeten die Wälder und legten die Sümpfe am Seeufer und im Leithatal trocken und machten die Gegend fruchtbar. Die Zisterzienser schufen eigene, in sich geschlossene Wirtschaftseinheiten, die so genannten Grangien, die sie unter der Leitung fachkundiger Ordensmitglieder bearbeiteten und später gegen entsprechende Abgaben der arbeitenden Bevölkerung überließen. Schon einige Jahre früher kam es zur Gründung des Klosters Marienberg. Der ungarische Banus Dominikus Bors aus dem Geschlecht Miskolcz hatte feierlich versprochen, an einem Kreuzzug zur Befreiung der Heiligen Stätten teilzunehmen, konnte aber sein Gelübde nicht erfüllen. Als Ersatz dafür verpflichtete er sich eine Klosterniederlassung zu gründen. Er berief daher 1194 Zisterzienser aus Heiligenkreuz ins Land, schenkte ihnen Grund und Boden und ermöglichte den Bau eines Klosters. Schenkungen des Königs, der Magnaten und Adeligen festigten den Besitz der Niederlassung und der ausgesprochene Schutz des Papstes und des Königs gewährleistete eine gedeihliche Entwicklung. Der Kirchenbau: Die Gegend im Stooberbachtal ist wahrscheinlich im 11. Jhdt. Besiedelt worden. Stoob wurde einige Male (in verschiedenen Schreibweisen), erstmals jedoch 1229 urkundlich erwähnt. Zweifellos wurde das Gebiet von Christen bewohnt, da es zur Stadt Scarabantia (Ödenburg) gehörte, wo es nachweislich einen christlichen Bischof gegeben hat. Irgendwann, vermutlich zu Beginn des 13. Jhdts haben die Bewohner begonnen, eine Kirche zu bauen. Ob es dafür einen bestimmten und besonderen Anlass gegeben hat, ob die Kirche das Werk eines Stifters oder großen Gönners ist, ist unbekannt. Jedenfalls dürfte der Platz ganz bewusst gewählt worden sein, denn bei der Generalsanierung vor etwa 30 Jahren stellte man fest, dass unter der Kirche die Grundfesten eines mächtigen Gebäudes lagen. Ob es sich dabei um eine Wehranlage oder um ein befestigtes Wohnhaus handelt, bleibt ungeklärt. Die weitere Entwicklung: Die Ortschaft Stoob gehörte zum Bestiztum der Familie Osl. Die Herkunft dieses Geschlechtes ist umstritten. Jedenfalls besaß die Familie im Raume des Komitates Ödenburg ausgedehnte Ländereien. Sie verwaltete den überwiegenden Teil der Grenzwächtersiedlungen in diesem Gebiet. Diese waren aus dem Burgenverband Ödenburg herausgelöst. Durch Besitzteilungen wurde der öffentliche Einfluss des Geschlechts immer mehr geschwächt, bis es ganz aus der Geschichte entschwand. Ein Seitenzwang der Familie war an der Gründung des Geschlechtes der Kanizsay, einer der bedeutendsten und mächtigsten Familien ihrer Zeit, die die Geschichte des nördlichen Teiles des Landes maßgeblich mitbestimmt hat, beteiligt. Es ist anzunehmen, dass die Familie Osl den Bau der Bergkirche gefördert hat. Die Gründung einer eigenen Pfarre verdankt die Bevölkerung jedenfalls einem Mitglied dieses Geschlechts. Magister Herbord Osl bestätigt in einer Urkunde aus dem Jahre 1280, dass sein Vater zwei Sessionen von Chava (Stoob) dem Prämonstratenserkloster in Corna in Verbindung mit einem Patronatsrecht überlassen hat. Im Allgemeinen konnte aus einem solchen Besitz ein Pfarrer erhalten werden. Die Pfarre muss daher beim Tode des Stifters 1276 bereits bestanden haben. Die Folgezeit lässt uns über Pfarre und Kirche völlig im Dunkeln, auch die Namen der einzelnen Pfarrer während des gesamten Mittelalters sind uns nicht bekannt. Es zeugen aber ein gotischer Kelch aus dem Jahre 1522 und die alte Glocke, 1535 Güns gegossen, von einem intensiven religiösen Leben. In die Zeit der Gotik fällt die Errichtung eines Turmes an der Westseite der Kirche. Vermutlich wurden nach seiner Fertigstellung Glocken angeschafft, von denen allerdings nur die Johannesglocke bis in unsere Zeit erhalten geblieben ist. Der Turm hatte eine Grundfläche von 5,5m x 5,8m und war bis zum Sims 13,3m hoch. Die beiden Untergeschoße waren gewölbt, die Mauern 1m stark. 1881 wurde eine 6,25m hohe, vierseitige Ziegelpyramide aufgesetzt. Auf Grund des Turmbaues musste die Westfassade der Kirche wesentlich verändert werden, vor allem wurde ein Zugang in die Kirche geschaffen. 1871 - 78 wurde die Kirche unter dem Pfarrer Michael Wohlfahrt restauriert. Der Dachstuhl wurde erneuert, das Dach neu gedeckt. Die Sakristei erhielt eine neue Decke und der Turm eine neue Haube. Der Pfarre standen nur geringe Geldmittel zur Verfügung. Auch die Diözese konnte trotz guten Wollens nicht immer ausreichende Hilfe leisten, da sie ihre spärlichen Einkünfte auf viele notwendige Vorhaben in der Diözese verteilen musste. Es dauerte nicht nur das Verwirklichen von Vorhaben unverhältnismäßig lange, es musste auch mit provisorischen und billigen Notlösungen das Auslangen gefunden werden. Der Diözesanbischof Johannes Zalka schrieb am 23. Dezember 1870 an Pfarrer waohlfahrt: „Selbstverständlich denkt man daran, dass die Restaurierung der Stoober Kirche vor allem verwirklicht werden müsse, was keinen Aufschub dulde und zwar in dem Ausmaße, als die Mittel vorhanden sind. Da jedoch aber der Diözesanfond mit keiner größeren Summe als mit den von mir zugesicherten 1600 Gulden der Notlage der genannten Kirche abhelfen kann, zumal der Wiederaufbau der durch den Brand zerstörten Kirche in Lepesfulva (Loipersbach) ebenfalls auf dessen Rechnung geht, so bleibt nichts anderes übrig als das 410 fl. beim Fürsten Esterhazy hinterlegte Industrial – Kapital zu kündigen und dasselbe zusammen mit der Zuwendung des Diözesanfonds zu den notwendigsten Ausbesserungen zu verwenden. Das, was die innere Ausstattung der Kirche betrifft, muss einem glücklicherem Zeitpunkte überlassen werden.“ Aus der Chronik: „Die Bauführung übernahm der Distriktsdechant und Pfarrer von Steinberg, Ferdinand Adler. Mit der diesem Manne eigenen Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit, die er (der Verfasser der Chronik Pfarrer Dr. Lorenz Zisper) bei der Bearbeitung der Pfarrgeschichte von Steinberg im Jahre 1938 schon bewundert habe, wurde die Renovierung vorbereitet und vollzogen. Zwischen Ostern und Pfingsten wurde die Arbeit durchgeführt. Leider waren die Geldmittel so gering, dass nur dem dringendsten Notstande abgeholfen werden konnte. Maurermeister Georg Hackl besorgte die Maurerarbeiten. Der Stukkaturboden der Kirche wurde neu angerohrt und angeworfen. Leider hat man es unterlassen, den Sturzboden mit Lehm aufzutragen. So rosten die Nägel immer ab und der Verputz fällt runter. Bei einem Brande wäre es überhaupt verhängnisvoll. Die Kirche würde ganz ausbrennen. Der Chor von 3 Klafter 1 Fuß 6 Zoll Länge wurde gewölbt, der Turm unterfangen. Die Kirche wurde nahe 2 Fuß tiefer ausgehoben. Daher rührt es, dass der Altar so hoch steht. Ein neues Pflaster wurde gelegt. Die Sakristei in der Größe von 2 Quadratklaftern wurde neu gebaut. Der Turm wurde kuppelförmig eingewölbt. Die Maurerarbeiten kosten 848 Gulden. Die Zimmermannsarbeiten führte Johann Purzler durch. Das alte Schindeldach wurde von Kirche und Turm entfernt. Kirche, Sanktuarium und Sakristei erhielten einen neuen Dachstuhl. Die Kosten betrugen 121 fl. Zug- und Handdienst leisteten die Gläubigen. Die Materialien wurden von der Bauleitung angekauft. Die Ausgaben betrugen 2072,06 fl. Die angewiesenen Eingänge machten 2054,86 fl. aus. Die Deckung für die 17,20 fl. wurde der Stoober Kirchenkasse entnommen. In der Visitatio canonica vom Jahre 1875 steht, dass die Kirche keine Kanzel habe. Die Predigt werde vom Hochaltar aus gehalten. Im Jahre 1878 war nach den oben zitierten Worten des Bischofs Zalka der glücklichere Zeitpunkt auch für die innere Ausstattung der Kirche gekommen. Die Inschrift auf dem Hochaltar besagt es: „Ara haec munificentia Excellentmi Reverendmi Domini Domini Joannis de Zalka Theolog. D.S.M.I.P.Consil.Sec.EpiscopiArrabonens.A.S. MDCCCLXXVIII restaurata est“ Im nämlichen Jahre wurde auch die schöne Kanzel aufgestellt.“ 1912 wurde der Turm, der sehr starke Risse aufwies, aus Sorge vorsichtshalber abgetragen, da der Turm in der Nachbargemeinde St.Martin in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 1904 eingestürzt war. Arbeiter, die den Abbruch durchführten, sollen aber erklärt haben, dass der Turm ihrer Meinung nach noch einige Jahrhundert gehalten hätte. Der Schlussstein mit dem Turmkreuz ist noch erhalten und ist vor der Kirche aufgestellt. Unter dem Pfarrer Stefan Berghofer war 1883 eine Erweiterung der Kirche bereits genehmigt, ihre Ausführung aber wegen Geldmangels unterblieben. Im Ort wurde dafür 1883 eine Kapelle errichtet. 1888 wurden die Räume einer frei gewordenen Schule adaptiert und zu einer Notkirche umfunktioniert. Damit war der Weg in die Kirche einfacher und – vor allem im Winter – weniger anstrengend. Außerdem bot dieses Gotteshaus mehr Raum als die Bergkirche, sodass auch an den Feiertagen alle Gläubigen Platz fanden. Die Bergkirche wurde allerdings immer seltener benutzt.

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Die Pfarre: Über die Zahl der Pfarrangehörigen geben die spärlichen Unterlagen keine Auskunft. Im Verlauf der Reformation wurden von den Grundherren evangelische Prediger bestellt. Die Bevölkerung galt als evangelisch, ebenso die Bergkirche. Aus dieser Zeit sind auch einige Namen evangelischer Pastoren überliefert. Die Gegenreformation war im Bereich des Herrschaftsgebietes Kobersdorf wesentlich weniger wirksam als z.B. innerhalb der Verwaltung Landsee, die im Besitz der Familie Esterhazy stand. 1671 wird erstmals ein katholischer Pfarrer für Stoob genannt: Michael Venerics, ein Kroate aus Hornstein. (Die Kroaten bildeten überhaupt das Reservoir der katholischen Priester, da die ganze Volksgruppe während der Reformation katholisch geblieben war) Allerdings musste er an Sonn- und Feiertagen in der Schlosskapelle von Kobersdorf eine hl. Messe für den Grundherrn Kery feiern, sodass die 7 katholischen Familien von Stoob wohl ohne Sonntagsgottesdienst auskommen mussten. Stoob war später Filialgemeinde von Weppersdorf, danach von St. Martin. Nach einem Visitationsbericht im Jahre 1703 war – offenbar kurzfristig – Michael Paysler Pfarrer in Stoob. Er hatt 77 Katholiken und 224 Kinder zu betreuen. Damals gab es 282 Protestanten in Stoob. Erst 1843 hatte das langjährige Bestreben Erfolg und Stoob wurde eine eigene Pfarre.

 

Verfall und Rettung der Bergkirche: Nach Errichtung der Notkirche im Ortsgebiet wurde in der Bergkirche immer seltener Gottesdienst gefeiert; sie verlor im pfarrlichen Leben nahezu völlig an Bedeutung. Zweimal hatte man sich schon entschlossen die Kirche abzutragen, es wurde auch der Plan entworfen, sie in eine Begräbniskirche umzugestalten. Die Vorhaben wurden aber nicht verwirklicht. In den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts rückte die Bergkirche wieder etwas mehr in das Gedächtnis der Pfarrgemeinde. Es wurde die Festmesse zum Gedenken an den Kirchenpatron, die Kirtagsmesse in der Bergkirche gefeiert. Unter dem Pfarrer Dr. Josef Zisper wurde die Bergkirche, die alte Pfarrkirche, im Jahre 1940 renoviert. Es war von Anfang an der Pfarrgemeinde ein großes Anliegen, anstelle der Notkirche ein neues Gotteshaus zu bauen. Der Wunsch wurde in dem Maße immer dringlicher, in dem der Bau immer renovierungsbedürftiger wurde. Die Älteren unter uns werden sich sicherlich an den Riss im rechten Fenster hinter dem Altar erinnern, der bedrohlich immer größer und tiefer wurde. Geldmangel aber verhinderte die Verwirklichung des verständlichen Anliegens. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Anliegen immer dringlicher. Die kirchlichen Stellen, einschließlich des Oberhirten, haben nicht nur volles Verständnis gezeigt, sondern auch die volle Unterstützung durch die Kirchenleitung zugesagt. Da aber für den Wiederaufbau bzw. die Renovierung vieler im Krieg beschädigten bzw. zerstörten Kirchen erhebliche Geldsummen aufgewendet werden mussten, konnten die Hoffnungen der Stoober zunächst nicht erfüllt werden. Das Bereitstellen von Geldmitteln für den Abbruch der (Notkirche) und der Bau eines neuen Gotteshauses mussten von Jahr zu Jahr verschoben werden. In der Pfarrgemeinde blieb aber der Wunsch äußerst lebendig. Man ließ Pläne erstellen und über das Aufbringen von Leistungen der Gläubigen wurden sehr konkrete Überlegungen angestellt. Pfarrer Dr. Josef Zisper ließ keine Gelegenheit vorübergehen, in der Kirchenleitung auf die Dringlichkeit eines Neubaues einer Kirche hinzuweisen. Er war es auch, der die Chronik über die Pfarre verfasste und dem damaligen Oberhirten der Apostolischen Administratur Dr. Josef Schoiswohl zugeeignet hat. Sein Werk hat er mit folgender Widmung versehen: „Die geschichtliche Darstellung der Entwicklung der Pfarre Stoob zeigt, dass das Bestreben von Generationen dahin gerichtet war, in den Besitz einer neuen würdigen Kirche zu gelangen. Diesem bisher unerfüllten Wunsch gnädig die Erfüllung zu verleihen, bittet in ehrfurchtsvoller Ergebenheit der Verfasser.“ Bei diesem zielgerichteten intensiven und sehr verständnisvollen Bemühen blieb für die Bergkirche und ihrer Erhaltung wenig Raum. 1956.59 wurde unter Mithilfe des Bauordens, aber auch durch den kostenlosen Einsatz vieler Stoober – auch Angehöriger der evangelischen Schwestergemeinde – nach den Plänen des Architekten Ladislaus Hruschka die neue Kirche anstelle der Notkirche errichtet. Die Bergkirche galt nur mehr als Kalvarienbergkirche. Als die neue Kirche unter dem Pfarrer Beier fertig gestellt war, wurde auch der Festtag des Kirchenpatrons im neuen Gotteshaus gefeiert. Sturm und Wetter setzten der Bergkirche immer mehr zu. Das Dach zeigte immer mehr und immer größere Lücken. Fenster, Türen und Dachstuhl haben stark gelitten und die aufsteigende Nässe im Inneren und an den Außenwänden griffen den Verputz immer mehr an, sodass der Bau ein ruinöses Aussehen zeigte. Die Kirche drohte zu verfallen. Pfarrprovisor Trinko, der 1966 die Pfarre übernahm, war es ein besonderes Anliegen, die Bergkirche zu erhalten. Die Stoober Bevölkerung konnte diese Begeisterung jedoch nicht teilen, da sie keinen praktischen Zweck mehr erfüllte, zudem eine neue Pfarrkirche im Ortsgebiet errichtet wurde. Auch der Plan taucht auf, die Kirche in eine Leichenhalle umzubauen. Technisch wäre das zwar unter größeren finanziellen Belastungen möglich gewesen, aber der Pfarrer wollte diese Kirche als katholisches Gotteshaus erhalten. Durch die Besetzung eines des Postens eines Landeskonservators mit Dr. Friedrich Berg konnte diese alte Kirche gerettet werden. Eine Untersuchung des Kircheninneren erbrachte überraschende Ergebnisse, die im Grabungsbericht der Dr. Gertrud Mossler (Pfarrarchiv und Festschrift 750 Jahre Stoob) zusammengefasst sind. Die Kirche ruhte demnach auf den Fundamenten eines Vorgängerbaues, dessen Bedeutung bis heute nicht klar ist. In den Herbstmonaten 1970 wurde auch die Kirche innen archäologisch untersucht, außen wurden Gräben gezogen, um über eventuelle Besiedlungen Aufschluss zu erhalten.

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Kalvarienberg: Unter dem Pfarrer Stefan Berghofer wurde eine Kreuzigungsgruppe (drei Kreuze – Christus in der Mitte der beiden Schächer) angeschafft und aufgestellt. Sie ist das Werk von Ferdinand Stuflesser, einem Holzschnitzer aus St. Ulrich im Grödental. Entlang des Aufstieges und rund um die Kirche wurden die Kreuzwegstationen errichtet. Die Stationen bestehen aus sattelgedeckten Pfeilern mit Sockeln und Rundbögen, in denen die Bilder der Kreuzwegstationen Platz finden. 1965 wurde am Eingang der beiden konfessionellen Friedhöfe ein gemeinsames Kriegerdenkmal von der Gemeinde errichtet. Dafür haben nicht nur die beiden Pfarregemeinden etwas Grund an die Gemeinde abgetreten, es mussten auch einige Kreuzwegstationen abgetragen werden, um einen würdigen Platz für das Denkmal zu schaffen. Die Gipsreliefs, die die gerahmten Farbdrucke ersetzt haben, sind Keramikreliefs gewichen, die der akademische Maler Harro Pirch, der als Lehrer in der Fachschule für Keramik und Ofenbau in Stoob tätig war, geschaffen hat. Die Kreuzigungsgruppe wurde als 12. Station sinnvoll und wohl durchdacht in den Kreuzweg eingebaut. Es kann wohl mit Fug und Recht und der Wahrheit dienend hinzugefügt werden, das die Renovierung der Bergkirche ohne den enormen Einsatz und der zähen Ausdauer des örtlichen Seelsorgers Dr. Hans Trinko weder in Angriff genommen, noch ausgeführt worden wäre. Das erfolgreiche Werk hat auch in der Öffentlichkeit und in der Presse großen Widerhall gefunden.

 

25 Jahre später: Eine Drainagierung, die vor mehr als 10 Jahren rund um die Kirche angelegt wurde, hat zwar das Aufsteigen der Nässe in den Mauern gehemmt, aber ganz vermieden konnte es bei dem alten Gebäude nicht werden. Dazu kam, das Unwetter und der Zahn der Zeit Spuren hinterlassen haben, die nicht mehr zu übersehen waren. Eine Gruppe von Gläubigen hat sich gefunden, eine Renovierung vorzubereiten. Es wurde ein Komitee gebildet, das unter der Leitung von Helly Grabner aus den Mitgliedern Edith Rauch, dem Pfarrvikar Mag. Otto Sebestyen, dem Ehepaar Karin und Josef Koth sowie Renate Kutschi, einem Mitglied der evangelischen Schwestergemeinde, besteht. Das Komitee hat sich die Aufgabe gestellt Vorsorge zu treffen, dass die Bergkirche renoviert wird, die Kirche als kulturelles Juwel bekannt zu machen und die Räume mit Leben zu erfüllen. Veranstaltungen: Schon im Jahr 1987 wurde in der Bergkirche die Ausstellung „Christlicher Heimschmuck“ ausgerichtet. Eröffnet wurde der Veranstaltungsreigen am 16. März 2002 mit der Ausstellung zum Thema „Glaube und Brauchtum in der Fasten- und Osterzeit“, verbunden mit einem Ostermarkt, bei dem passenden Präsente für Ostern angeboten wurden, die die Frauen der Pfarre hergestellt hatten. Auch die zahlreichen nachfolgenden Veranstaltungen wurden von der Dorfbevölkerung und den Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung gut besucht und es bildete sich allmählich eine Gruppe von Stammgästen heraus.

 

Renovierung: Nach der – auch finanziell überaus erfolgreichen Ausstellung „Glaube und Brauchtum in der Fasten- und Osterzeit“ reifet der Gedanke, mittels Veranstaltungen und sonstiger Aktionen die Mittel für eine Renovierung aufzubringen, ohne das angespannte Pfarrbudget zu belasten. Glücklicherweise war vorgesehen, dass der Bischof seine regelmäßige Visitation im Jahr 2005 in den Pfarren des Dekanates Oberpullendorf abhalten wird, sodass für Renovierungsarbeiten im Jahr 2004 höhere Geldmittel von der Diözese erwartet werden konnten. Es war daher möglich, nicht nur eine oberflächliche Ausbesserung der sichtbaren Schäden in Angriff zu nehmen, sondern eine tiefer gehende Sanierung zu planen. Die Arbeiten an Bergkirche und Totenhäuschen gingen zügig voran. Immer mehr Stoober haben an ihrer Bergkirche und an ihrer Verschönerung Gefallen gefunden. Es wurde der Kreuzweg ergänzt und saniert, die Stützmauer ausgebessert und das äußere Erscheinungsbild des Kirchenberges nach alten Fotos auf eigene Kosten wiederhergestellt. Die geplanten Vorhaben wurden rechtzeitig abgeschlossen. Die Mühen und der Einsatz haben sich gelohnt. Gefällig und eindrucksvoll zeigt sich die Bergkirche über dem Dorf auf dem Platea des Kirchenberges, reizvoll und gewinnend. Vom Vorplatz genießt man einen weiteren Blick ins Stooberbachtal. Der Ort strahlt Ruhe, Frieden und Beschaulichkeit aus, ladet ein, frei auszuatmen und ermutigt zum Verweilen. Einige Arbeiten mussten aus zeitlichen, finanziellen Gründen, oder weil etwas Anderes Vorrang hatte, zurückgestellt werden. Die dringendste Aufgabe wird jedenfalls sein, die Arbeit der Holzwürmer im Gebälk, die immer deutlichere Spuren hinterlassen, zu unterbinden.

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